Compoundbogen
Der Compoundbogen (aus dem engl. compound „Verbundstoff“) ist der modernste und technisch höchstentwickelte Präzisions- Sportbogen.
Der Compoundbogen wurde in 1969 in den USA erstmals auf einer Bogenmesse vorgestellt. Das auffälligste und technisch wichtigste Merkmal sind die exzentrischen „Kurvenscheiben“ bzw. Rollen (engl. camwheels, cams) an den Bogenenden. Sie verfügen über zwei verschiedene Durchmesser, auf denen die Sehne läuft. Im ungespannten Zustand ist auf dem größeren der beiden Durchmesser die Sehne aufgerollt, beim Spannen des Bogens wird die Sehne des Bogens vom großen Durchmesser abgerollt, und auf den kleinen Durchmesser umgeleitet, sodass sich dadurch eine Kräfteumlenkung ähnlich einem Flaschenzug einstellt.
Der Compoundbogen wird daher aufgrund seiner Wirkungsweise sehr oft mit dem Flaschenzug verglichen, dieses Prinzip fand jedoch nur bei sehr frühen Modellen Anwendung, welche über mehr als zwei Rollen verfügten.
Das technische Geheimnis des Compoundbogen ist tatsächlich lediglich die absolut konsequente Umsetzung das Hebelgesetzes!
Moderne Compoundbögen bedienen sich der pysikalischen Vorzüge des Hebelgesetzes. Die sich nach außen wegdrehende Rolle ist wie ein starrer Hebel, der auf die Kraftachse wirkt. Durch die exzentrischen Rollen/Cams verändert sich der Angriffswinkel und damit auch der Hebelarm, damit arbeitet solch ein System immer im effektivsten Bereich der möglichen Kraftübertragung.
Rollen/ Cams gibt es demnach in verschiedenen Ausführungen, dabei wird zwischen Twin Cam, Single Cam und Hybrid Cam unterschieden, die sich nochmals in Funktionsweise und Ausführung zueinander im Detail unterscheiden
Die Hybrid Cams verfügen über zwei sich in Durchmesser und Kurvenverlauf voneinander unterscheidende Cams an oberem und unteren Wurfarm. Sie werden lediglich durch einen Split-String (ein Kontrollkabel) und natürlich durch die Sehne verbunden. daher benötigen diese wesentlich weniger Aufwand bei der Feineinstellung des Bogens. Hybrid Cams erfreuen sich somit einer stetig steigenden Popularität unter den Compoundschützen seit Hoyt diese in 2003 auf dem Markt einführte.
Werden die Rollen/Cams mit der Bogensehne nach außen gezogen, verlängert sich der Hebelarm. Dieses einfache pysikalische Gesetz wird beim Compoundbogen in hocheffizienter Weise genutzt. Dadurch ergibt sich im Gegensatz zu anderen Bögen kein linear ansteigender Kraftverlauf beim Ausziehend des Bogens!
Mit steigendem Auszug nimmt die Kraft zunächst stetig zu (wie bei allen anderen Bogen), um dann jedoch beim frühen Überschreiten des Gipfelpunktes fast schlagartig stark abzunehmen. Der Bogenschütze hält dann bei voll ausgezogenem Bogen nur noch einen Bruchteil des Höchstzuggewichtes an der Hand. Die Zugreduzierung kann so bis zu über 90 % betragen, ein 60 Pfund- Bogen muss während des Zielvorgangs daher mit lediglich 6 Pfund in vollem Auszug gehalten werden. Compoundbögen mit Zuggewichten von bis zu 70 Pfund sind daher keine Seltenheit, gilt es diesen Kraftaufwand beim Auszug des Bogens ja lediglich nur einen sehr kurzen Moment zu überbrücken.
Dies ist der entscheidende, technische Vorteil des Compoundbogen gegenüber allen anderen Bogenarten. Der Bogenschütze kann während des Zielvorgangs ganz entspannt und ruhig (fast beliebig lange) in der Abschussposition (Ankerpunkt) verweilen, ohne dabei über die gesamte Zeitspanne die Kraft der Wurfarme kompensieren zu müssen, wie es beispielsweise beim Recurvebogen der Fall ist.
Technische Details und weitere Vorteile:
Der Compoundschütze darf während FITA- Turnieren folgende, weitere technische Vorteile an seinem Bogen nutzen.
- Visier mit optischen Zieleinrichtungen, mit bis zu 12facher Vergrößerung.
- Pfeilauflagen in jedweder technischen Ausführung
- Stabilisatorensysteme
- Dämpfersysteme
- Release (mechanische Abschussvorrichtung, oben im Bild)
- Peep Sight (in der Sehne befestigter Sicht- Ring, unten im Bild)
- Sehnendämpfer

Der Compoundbogen bietet dem Schützen also eine ganze Reihe von technischen Vorteilen und hat sich damit weit weg von den Bögen bewegt, wie diese von ihrer ursprünglichen Ausführung her über Jahrtausende lang bekannt waren. Der Compoundbogen ist aufgrund seines technischen Aufbaus und seiner diversen Verbesserung als Hightech- Präzisions- Sportbogen einzuordnen und bildet derzeit die Spitze in der technischen Entwicklung des Bogenbaus.
Sebstverständlich gibt es den Compoundbogen auch in Camo- Ausführungen als Jagdbogen, denn auch dort ist er im Grunde unschlagbar, dies schon aufgrund des geringeren Platzbedarfs im Handling, technisch sowieso. Dort werden dann nicht selten Pfeile im Retro- Design geschossen, die aussehen wie Holzpfeile, tatsächlich jedoch aus Alu oder Carbon gefertigt sind, jedoch mit Echtfedern versehen werden um diesem Eindruck eher gerecht zu werden.
Der Bogensport übt nicht selten eine ganz besondere Faszination auf seinen Betreiber aus. Der engagierte Anfänger, Fortgeschrittene oder Profi findet hier aktuelle Infos zu allen Bereichen des Bogensport:




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