Rückenspannung

Kurz und knapp gesagt: Der Aufbau der Rückenspannung als bestimmender Faktor zum Lösen des Pfeils, ist das wichtigste Element während des gesamten Schussablaufes, damit steht und fällt eine beständig gute Schießleistung.

Wird der Lösevorgang und das Durchziehen unter dem Klicker nicht über die Rückenspannung eingeleitet, sondern über eine gegen die Bogenkraft des Bogens wirkende Schusshand, kann der Schütze dabei mit seinem Visier nicht wirklich ausreichend beruhigt im Gold stehen bleiben, ständige Abweichungen im Schussbild und unterschiedlichste Pfeilgruppierungen sind die unausweichliche Folge. 

Diesen Effekt kann jeder Bogenschütze selbst beim Zielvorgang sehr genau beobachten. Wurde keine Rückenspannung nach dem Ankerpunkt aufgebaut und zieht der Schütze die Schusshand einfach weiter nach hinten durch, so wandert der Visierpin dabei unablässig im Gold umher, je nach Entfernung zur Scheibe auch ordentlich darüber hinaus, bis in den Bereich der roten 7. So ist es kein Wunder, dass die Pfeile beim Geräuch des Klickers auch genau dort landen, sofern nicht auch noch zusätzlich Lösefehler durch seitliches Versetzen der lösenden Hand entstanden sind. In der Summe kann so keine wiederholt gute Gruppierung der Pfeile im Gold erreicht werden.  

Eine richtig aufgebaute und als statisches Element im Schussablauf eingesetzte Rückenspannung, unterscheidet den beständig guten Leistungsschützen vom Rest der Bogensportler deutlich.

Statik ist in diesem Zusammenhang ein durchaus zutreffendes Stichwort. Wie schon in den anderen Teilbereichen des Schussablaufes, Vorhalten, Bogenhand und Ankerpunkt erklärt, ist das ausschlaggebende Moment für eine gute Pfeilgruppierung die Wiederholgenauigkeit der einzelnen Teilbereiche des Schussablaufes. Jeder Fehler bzw. Abweichung darin/davon macht sich negativ bemerkbar, da keine wirklichen Konstanten gebildet wurden.

Nur ein konstant gleicher Bewegungsablauf und eine dazu unbedingt immer gleich eingenommene Körperhaltung, garantiert auch ein konstant gutes Trefferbild!

Auch in diesem Abschnitt des Schussablaufes geht es also wieder sehr verstärkt um die Synergie zwischen Material und Körper!

Was aber genau ist die Rückenspannung und ab wann wird diese wozu genau eingesetzt um was genau zu erreichen?

Schlüsselelement und wichtigster Bezugspunkt ist der Endauszug des Schützen, dieser bestimmt auch die benötigte Pfeillänge und in der Folge ebenfalls die Klickereinstellung am Bogen. Elementar wichtig ist es in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass der Endauszug keinesfalls von der Position des Klickers bestimmt wird, sondern umgekehrt.

Wie bereits unter Ankerpunkt nachzulesen war, ist dieser genau dann erreicht, wenn die Sehne die Nasenspitze und die Lippen des Schützen berühren. Nur ist zwischen Bogenhand und Nasenspitze eine Menge “Körper” und dessen mögliche Veriationen in der Haltung! 

Wie wir bereits aus der Ableitung der richtigen Haltung der Bogenhand wissen, schiessen wir grundsätzlich mit durchgestrecktem Arm, tiefem Handgelenk und tiefen Schultern. Auch diese Faktoren bestimmen nämlich entscheident die Distanz zwischen Bogenhand und Schusshand.

Nachdem die Position des Bogenarmes nunmehr eindeutig geklärt ist, widmen wir uns einmal sehr genau der Schulterlinie zwischen Bogenhand und Schusshand:

Als Fixpunkte sollte dazu die Bogenhand, der Pfeil und die Schusshand eine exakt gerade Linie beschreiben, nebenbei bemerkt ist eine andere Haltung zwischen Bogenhand als Anfangspunkt und Schusshand mit verlängertem Ellenbogen als Endpunkte auch gar nicht möglich, dazwischen gibt es jedoch die Schulterlinie als Variable!  

Dazu ist anzumerken, dass beim Endauszug / Ankerpunkt der Rücken bzw. die Schulterlinie ebenfalls gerade zur Pfeillinie sein sollte. Die Schultergelenke sollten also keinesfalls nach vorn gekröpft werden noch übertrieben nach hinten dadurch überdehnt sein, dass der Brustkasten betont nach vorn gedrückt worden wäre. Zwar ist der Brustkasten schon dadurch gut angespannt, dass nach dem Vorhalten zum Auszug und Ankerpunkt  die Lungen gefüllt wurden, trotzdem beschreibt die Schulterlinie dabei idealerweise lediglich eine gerade Linie, annähernd parallel zum Pfeil.

Mit dieser Haltung wäre der Ausgangspunkt der Rückenspannung sehr genau beschrieben. Dies ist ebenfalls der eigentliche Endauszug des Schützen UND auch die Position bei der die Pfeilspitze unmittelbar den Punkt erreicht hat, kurz bevor der Klicker dahinter weggleitet und die Schusslinie freigibt. der Klicker und die Pfeillänge müssen also exakt an diese Körperhaltung angepasst, eingestellt und abgestimmt werden.

Bei Erwachsenen ist die Abstimmung relativ einfach, bei Heranwachsenden ändern sich jedoch die körperlichen Gegebenheiten teilweise recht schnell. Armlänge und Rumpflänge ändern sich ständig, insofern muss auch fast alle paar Monate neu darauf eingestellt werden, sonst kommt der jugendliche Bogenschütze nicht mehr in die Rückenspannung. Die oben beschriebenen Probleme treten dabei also schnell wieder auf.

Es gibt nach meinen Beobachtungen aber auch haufenweise Erwachsene die den Klicker nicht richtig positioniert haben, die Schultern beim Endauszug also nicht wirklich in die richtige Position gebracht haben um wirklich eine weiter aufzubauende Rückenspannung zum Lösen nutzen zu können.

Nachdem der Endauszug also annähernd erreicht ist, die Schusshand sauber unter dem Kinn geankert ist, der Klicker kurz vor dem Auslösen steht und der Visierpin sauber ins Gold zeigt, beginnt der Schütze in einer sanften und gleitenden Bewegung das hintere Schulterblatt der Schusshand, einseitig (egal ob Links- oder Rechsschütze) minimal nach hinten zu drücken und benötigt dabei keine weiter (gegen die Bogenkraft) ziehende Schusshand mehr, sondern hält diese einfach still und erledigt den letzten Rest des Endauszuges bis zum Lösen des Pfeils (nach dem Klick), sehr elegant mit der Rückenmuskulatur, fast ohne jede zusätzliche (oder nochmals zu steigernde) Kraftanstrengung. Es ist sehr wichtig, dass nur das hintere Schulterblatt dazu genutzt wird, würden beide Schulterblätter (bzw. dessen Latissimus- Muskel) gleichmäßig eingesetzt, würde dies eine unbeabsichtigte Unruhe in den Bogenarm bringen.

Recurve- Schützen kennen sicherlich eine beginnende Taubheit oder gar ein schmerzhaftes Brennen im gesamten Bogenarm nach ca. 30- 40 (ohne größere Pausen zwischen den einzelnen Passe) stramm durchgeschossenen Pfeilen… 

Dies liegt nicht immer an einem tatsächlich zu starken Bogen, sondern oft auch daran, dass die Rückenspannung nicht immer effektiv zum Lösen genutzt wird und ersatzweise zu viel mit der Schusshand gegen den Bogenarm gezogen wurde.

Mangelhaft oder gar kein Aufbau der Rückenspannung im Schussablauf  ist eine der häufigsten Ursachen für schlechte Leistungen beim Bogenschießen, im Umkehrschluss also auch eines der wichtigsten Merkmale im Schussablauf! Daher ist von jedem Schützen  immer wieder darauf zu achten, dass dieses sehr wichtige Element möglichst wirksam eingesetzt wird um ein beständig gutes Ergebnis auf der Scheibe zu erzielen.

Abschließend & zusammenfassend möchte ich noch einmal eindringlich darauf hinweisen, dass ein Bogen, der sich tatsächlich nicht im Vollauszug befindet, während des Zielvorgangs wesentlich unruhiger im Gold zu halten ist. Wird hingegen der Vollauszug und die gesamte Kraft des Bogens über eine sauber eingenommene (statische) Körperhaltung stabilisiert, ist das Schießergebnis deutlich besser!  

Aber auch beim Compoundschützen ist die Rückspannung annähernd genauso wichtig, auch in Bezug zum Thema Goldangst, dies ist auch in diesem dazu verlinkten Artikel sehr ausführlich nachzulesen…

Wir sehen also:

Es gibt für ALLES eine Lösung!

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