Recurvebogen, Wurfarme

Neben dem Mittelteil eines Recurvebogens sind die Wurfarme (Limbs) das wichtigste Bauteil des Bogens. Die Wurfarme bestimmen die Schuss- Kraft des Bogens, die Dynamik und auch ein Stück weit die Zielgenauigkeit. Nur hochwertige Wurfarme setzen nach dem Lösen der Sehne den Pfeil in eine wirklich absolut geradlinige Vorwärtsbewegung frei, ohne jede zusätzliche und davon abweichende Seitenrotation. So bestimmt eine möglichst geringe, seitliche Ausweichbewegung der Wurmarme beim Auspendeln nach und während dem Lösen deren tatsächliche Qualität.
Dies klingt eigentlich recht einfach, dennoch ist es keinesfalls wirklich “einfach” Wurfarme herzustellen, deren innere Spannung durch mehrschichtige Lagen unterschiedlicher Materialen genau diesen unerwünschten Effekt wirklich wirksam unterdrücken.
Die derzeit erhältlichen Ausführungen unterscheiden sich daher nicht nur in ihrer Materialzusammensetzung und der unterschiedlichen Zugstärke in Pfund, sondern eben auch deutlich in der Qualität und damit auch im Preis.
Standard:
Standardwurfarme haben einen Holzkern und sind im Materialverbund mit mehreren Auflagen in Fiberglas- Technik belegt. Die Stärken reichen von 12- ca. 40 Libs (englische Pfund).
Höherwertige Wurfarme:
Höherwertige Wurfarme besitzen einen Kern aus Fiberglas, darauf Holzlaminate und darüber wieder eine Fiberglas- Schicht, diese Bauart hat einen zunächst etwas weicheren Auszug, bei gleicher Wurfarmstärke.

Turnierwurfarme:
Turnierwurfarme haben einen mehrlagigen Kern aus Carbon und mehrere Lagen Carbon auch auf der Außenhülle. Diese Bauart hat eine wesentlich bessere Dynamik bei gleichzeitig kaum noch Abweichungen in Richtung der Seitenrotation beim Lösen, sind jedoch aufgrund der Materialpreise und des aufwändigeren Herstellungsverfahren sowie der umfangreicheren Qualitätskontrollen nach der Fertigung, relativ teuer.
Letztlich entscheidet die persönliche Leistungssituation des Schützen darüber ob es wirklich sinnvoll ist auch noch den letzten Funken der möglichen, technischen Verbesserungen auch tatsächlich in ein regelmäßig besseres Schußergebnis umsetzten zu können.
Nachtrag: 09.05.2010
Nachdem ich zwischenzeitlich selbst auf Vollcarbon- Wurfarme umgestiegen bin, möchte ich noch Folgendes anmerken:
Der leistungsorientierte, Fortgeschrittene Bogenschütze wird, sofern er an Turnieren teilnimmt, nicht um die Anschaffung höherwertiger Wurfarme herumkommen. Die Leistungsfähigkeit moderner Carbon- Wurfarme ist mit Standard- Holz- Wurmarmen absolut nicht mehr zu vergleichen, dies wird sofort an zum Vergleich geschossenen Pfeilgruppierungen für jeden Schützen auf jeder Leistungsstufe sichtbar.
Zudem bieten Carbon- Wurfarme (ohne Holzkern) einen weicheren Auszug (bei gleicher Pfundzahl) bei gleichzeitig mehr Speed. Besonders im letzten Bereich des Endauszuges (Klickerposition) zieht der Schütze nicht mehr so extrem hart gegen die Wand, sondern findet zu einem weicheren Übergang. Dies ist ein enormer Vorteil, da der Schussablauf dadurch insgesamt ruhiger und präziser wird.
Der größte Vorteil liegt jedoch in der Präzision mit der ein Vollcarbon- Wurfarm (annähernd ohne Seitenrotationsmoment) den Pfeil wirft. Der höhere Preis, gute Carbon- Wurfarme bekommt man – je nach Hersteller von ca. 400.- Euro an aufwärts, ist voll gerechtfertigt und im Grunde die wichtigste Investition des leistungsorientierten Bogenschützen. Kein anderes Bau- / Tuning- Teil am Bogen bringt eine deutlichere und sofort spürbare Verbesserung des persönlichen Schußergegnisses gegenüber einer Standard- Ausrüstung. Die richtige Wahl der Wurfarme ist für den Fortgeschrittenen Bogenschützen daher sehr wichtig, will er keinen technischen Nachteil gegenüber seiner sportlichen Mitbewerber im Turnierumfeld in Kauf nehmen. Beim derzeitigen Stand der Technik würde ich von der Anschaffung sogenannter Hybriden (z.B. der oben gezeigte Hoyt 300-Carbon) abraten, da diese ebenfalls genauso wie ein Standard- Wurfarm einen Holzkern besitzen und längst nicht an die Leistungsfähigkeit einer Vollcarbon- Lösung heranreichen.
Mit der Auswahl ist es neben optischen Gesichtspunkten eigentlich recht einfach:
Dazu sollte man sich einmal gründlich die Turnierergebnisse der letzten zwei Jahre auf der Olympiade 2008 und dem World- Cup, quer durch die Nationen anschauen.
Man kann es nicht anders sagen: Die ”Winner” schießen dort mit Mehrzahl Win&Win. Warum Hoyt auf Vereinsebene, im Bereich von Kreis- u. Landesmeisterschaften etc. -. landauf und -ab so derart stark vertreten ist, bleibt mir daher eher umfassend unverständlich. Ich möchte es nicht unbedingt als Markenfetischismus bezeichnen, der dazu der Hintergrund sein könnte, aber die sportlichen Ergebnisse im High-End- Bereich der internationalen Leistungsschützen sprechen jedenfalls eine ganz andere Sprache.
Meine persönliche Wahl viel daher sehr klar auf INNO- POWER von W&W und ich habe diese Entscheidung bisher noch an keinem Tag bereut, im Gegenteil.
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