Test: Zielscheiben aus Holzwolle, Holzwolleballen für den Bogensport

 

Ist der Bogenballen aus Holzwolle eine Alternative auch für starke Bögen und Vereine mit hohem Schussaufkommen auf den Scheibenanlagen?

Wer in den letzten Wochen aufmerksam im Internet zum Thema Bogensport unterwegs war, dem wird sicher nicht entgangen sein, dass die Fa. Hägele aus Sulzbach- Laufen, ein neues Produkt für den Bogensport anbietet. 

Zielscheiben kennen wir in unseren heutigen Tagen fast ausschließlich nur noch als aus speziellen Schaumstoffverbindungen gefertigt, die Herstellernamen lauten dabei Karphos oder Ethafoam. Vor einigen Jahrzehnten jedoch waren fast nur Strohscheiben im Bogensport im Einsatz. Naturprodukte aus Stroh hatten für lange Zeit aufgrund der langlebigeren Materialen und des deutlich besseren Preis- Leistungsverhältnisses und auch deutlich geringerem Gewicht, fast vollkommen ausgedient, dies könnte sich jedoch schnell wieder ändern seitdem die Fa. Hägele den Bogensport- Holzwolleballen als Alternative dazu anbietet. Besonders für Vereine mit hohem Schussaufkommen eigenen sich die Holzwolleballen nach Herstellerangabe hervorragend, dies wollten wir einmal etwas genauer prüfen…

Zunächst habe ich dazu bei der Fa. Hägele einen Probeballen angefordert, der Geschäftsführer Herr Otto Steinbeißer zeigte sich zum geplanten Test sehr aufgeschlossen und veranlasste die Lieferung innerhalb nur weniger Tage. Angekommen bei uns im frühen Februar, konnten die Tests jedoch vorerst nicht durchgeführt werden, der Probeballen harrte daher bis heute in der Garage aus, bei 50 cm Schnee war an einen Test im Freien nicht zu denken, indoor ging dies auch nicht, solch ein Ballen wiegt über 90 Kg, insofern ist er nicht gerade als ausgesprochen portabel zu bezeichnen, was das Handling betrifft.

Heute habe ich mich dieses Jahr das erste Mal mit dem Bogen an die frische Luft bzw. die Sonne gewagt, und dazu an Ort und Stelle in der Garage eine kleine “Versuchsanordnung” aufgebaut, so wie dies in oberem und nebenstehendem Bild zu sehen ist.

Mir ging es dabei insbesondere darum den direkten Vergleich zwischen dem Holzwolleballen und den gängigen Kuststoffscheiben ziehen zu können, als alternativen Probanten nutzte ich dazu eine 12cm starke Ethafoam- Scheibe in der Größe v. 80 x 80cm, welche ich im letzten Herbst zusammen mit meinem Sohn zum Training im Garten genutzt hatte.

Zu meinem Test schoss ich einen Passe von vier Pfeilen aus 10m Entfernung und habe danach die Eindringtiefe der Pfeile gemessen und den Kraftaufwand beobachtet der beim Pfeilziehen aufzuwenden war. Weitere Kriterien waren nicht zu testen, auch kann über die Langlebigkeit der Scheibenmaterialien keine Aussage gemacht werden, da dazu ein wesentlich längerer Testzeitraum die Voraussetzung wäre. Hier geht es zunächst also primär um die Punkte Einschusstiefe, Pfeilziehkräfte und Materialbeschaffenheit allgemein. 

Danach habe ich einen Passe aus 18m Entfernung geschossen und ebenfalls die Eindringtiefe usw. gemessen.

Danach habe ich das Gleiche bei der Etafoam- Scheibe durchgeführt und dabei auf die gleichen Merkmale geachtet. Anschließend konnte ich die folgenden Vergleichswerte feststellen:

 

 

 

 

Eindringtiefe der Pfeile beim Holzwolleballen:

  • 10m = 20 cm
  • 18m = 18 cm
  • Kraftaufwand beim Ziehen der Pfeile, durchschnittlich

Eindringtiefe der Pfeile bei der Ethafoam- Scheibe:

  • 10m = 15 cm (bei 12cm Scheibendicke)
  • 18m = annähernd gleich
  • Kraftaufwand beim ziehen der Pfeile = etwas geringer

Grundsätzlich kann man sagen, dass die Pfeile in den Holzwolleballen etwas tiefer eindringen und anschließend auch etwas schwerer zu ziehen sind, wobei diese Unterschiede jedoch eher nebensächlich waren. Im Ergebnis kann also festgestellt werden, dass der Bogenballen aus Holzwolle gleichermassen gut als Scheibenmaterial geeignet ist wie die Ethafoam- Variante und aufgrund der enormen Dicke des Ballens von 60 cm, ein mehrfaches Sicherheitspotenzial bietet.

Anders als bei der Ethafoam- Testscheibe, die von meinen Pfeilen (mein Recurvebogen hat knappe 40 Pfund Zuggewicht) durchschlagen wurde, verbleiben beim Holzwolle- Ballen noch rund 40cm hinter dem Pfeil in eingedrungenem Zustand, als unberührtes Sicherheitspolster.

 Besonders für Compoundschützen ist der Ballen daher sehr gut geeignet, von den Pfeilen durchschlagene Scheiben gehören damit der Vergangenheit an, diesen Holzwolleballen schafft kein Bogen!

Produktbeschreibung laut Hersteller:

Holz- / Holzwollewerk

Wilhelm Hägele GmbH

Wengen 45

74429 Sulzbach-Laufen

Tel.: 07975/274

Fax: 07975/217

mailto:info@holzwolle-haegele.de

http://www.holzwolle-haegele.de/

Wir produzieren seit 1959 Holzwolle und blicken auf 50 Jahre Erfahrung in dieser Sparte zurück.

Eckdaten des Zielscheiben- Ballens:

-Herstellung nach DIN 4077

-Zur Herstellung der Holzwolle wird nur entrindetes, unbehandeltes Fichtenholz aus  zertifizierten, einheimischen Forstbetrieben verwendet.

-Holzwolle ist ein biologisches, umweltfreundliches Produkt das aus nachwachsenden Rohstoffen (Fichte)  hergestellt wird. Die Holzwolle ist naturbelassen und daher vielseitig einsetzbar und problemlos zu entsorgen.

Unsere Bogenschützen-Ballen sind sehr beliebt, preisgünstig und haben eine lange Lebensdauer.

Abmessung pro Ballen:  Ca. 60 cm x 75 cm x 105 cm (Beschussfläche B =75 cm x H = 105 cm; T = 60 cm)

Gewicht pro Ballen:  Ca. 83 – 93 kg

Jeder gepresste Ballen ist mit Drähten 4-fach gebunden und mit der stärksten Pressstufe gepresst.

Nettopreis pro Ballen:  37,50 Euro (ab Werk)

Maximale Packeinheit pro Palette: 6 Ballen

Einwegpaletten können auf Wunsch für 3,90 Euro pro Palette (netto) verkauft werden. Die Einwegpaletten haben die gleiche Qualität wie Europaletten.

Die Ballen können auch als Pfeilfang genutzt werden. Einige Vereine bauen mit den Ballen eine Mauer. Wir fertigen die Ballen dann ohne Abschlussbretter damit sie besser an den Kanten verbunden werden können.

Fazit: Der Holzwolleballen der Fa. Hägele ist eine (besonders langfristig betrachtet) preiswerte Alternative zu anderen Scheibenmaterialen, ist ein Naturprodukt, bietet ein hervorragendes Sicherheitspotenzial hinter der Scheibe und ist im Vergleich zu den Produkten aus anderen Materialien enorm preiswert. Besonders für Aussenanlagen von Vereinen geeignet, lassen sich somit ganz ohne Pfeilfangnetze viele Pfeilverluste der Schützen vermeiden.

Beim Aufbau ist der Bogenballen unbedingt durch eindringende Nässe von oben zu schützen,  dies ist mit einem Ständer der über ein Dach aus Dachpappe verfügt, relativ einfach zu realisieren.

Negativ ist mir aufgefallen, und auch dies soll hier nicht unerwähnt bleiben, dass die Scheibenauflagen aufgrund der niedrigeren Dichte des Holzwolleballen schneller aufgeben, da bei jedem Einschuss mehr Papier zerfetzt wird als bei den hochdichten Ethafoam- Scheiben. Ein derart eng beieinander liegender, geschossener Passe wie in nebenstehendem Bild zerfetzt die Scheibenauflage aus Papier an der betreffenden Stelle regelrecht. Da die Preise für die Scheibenauflagen jedoch lediglich im Centbereich liegen, ist auch dieses kleine Negativmerkmal eher unerheblich und wird durch dem niedrigen Anschaffungspreis des Holzwolleballens und dessen ausgesprochene Langlebigkeit zigmal wieder aufgeholt.

Testurteil: Rundum empfehlenswert, eine preiswerte Alternative zu den gängigen Materialien mit sehr hohem Sicherheitspotenzial, dass besonders bei Aussenanlagen den Vorzug zu anderen Materialien bietet. Mein Testballen wird die nächsten Jahre den Garten jedenfalls nicht mehr verlassen.

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2 Kommentare zu „Test: Zielscheiben aus Holzwolle, Holzwolleballen für den Bogensport“

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