Langbogen
Der Langbogen gilt als die älteste Kriegs- und Jagdwaffe der Menschheit.
Ab wann genau der Bogen als historische Waffe in der Frühzeit entstanden ist, lässt sich bis heute nicht mit Sicherheit sagen. Wie bereits innerhalb der Beschreibung des Recurvebogen kurz angerissen, stammt der älteste als Bogen interpretierbare archäologische Fund aus Mannheim-Vogelstang und ist rund 17.000 Jahre alt. Wir reden beim Bogen also über eine der ältesten “Kriegs- und Jagdwaffen” der Menschheit, die ihren Ursprung also keineswegs im asiatischen Raum oder gar den Britischen Inseln hatte, wie es leider oft fälschlich dargestellt auf anderen Publikationen nachzulesen ist. Unsere Vorfahren, die Germanen waren also die mit großem Abstand frühesten Bogenschützen der Menschheit.
Der älteste Bogen, der bisher auf englischem Boden gefunden wurde, datiert auf 2690 vor unserer Zeit und wurde in Somerset gefunden.
Die geschichtlichen Quellen sind in Bezug der Entwicklung des Bogens sehr lückenhaft, die Nutzung des Bogens durch die Allemannen gegen die Römer ca. 3oo Jahre n. Chr. wird als früheste dokumentierte Verwendung des Bogens als Kriegswaffe angesehen. Mit König Vortigern (Wikinger) im Jahr 449 n. Chr. , taucht der Bogen beim Überfall auf Wales in seiner Eigenschaft als Kriegswaffe auf den Britischen Inseln erstmals auf.
Wir sehen also, dass der Bogen schon längst in den nordischen Ländern als Kriegswaffe genutzt wurde, bevor die Engländer auch nur davon gewusst hätten, dass es diese Kriegs- und Jagdwaffe gab. Die Waliser waren von dieser Waffe derart deutlich geschlagen worden und tief beeindruckt, dass sie den Bogen sofort nachbauten. Viele Schlachten später hatten sich die Briten weit in der Kunst des Bogenschießens geübt, sodass sie dort zur “nationalen” Waffe wurde und nachfolgend einige Jahrhunderte lang das Kriegsgeschehen in ganz Europa und natürlich auch in Asien dominierte, dort waren es bekanntlich riesige Reitervölker deren Hauptwaffe zunächst ebenfalls der Kriegsbogen war.
Wir sehen also, dass der “engliche” Langbogen erst einmal von ganz anderen Völkern im frühen Mittelalter nach England gebracht werden musste, damit die Menschern auf den britischen Inseln über dessen Existenz, Nutzen und dessen Einsatzbereich als Kriegswaffe überhaupt informiert waren, andere Völker nutzten den Bogen nachweislich bereits in der Antike zu genau diesen Zwecken. Insofern ist schon die Namensgebung eine Irreführung und auch nicht nachweisbare Anmaßung, gleichermaßen.
Eigenschaften des Langbogen:
Die Zugkraft der mittelalterlichen Langbögen wird bis heute vehemend diskutiert. Einerseits gibt es Belege für extrem zugstarke Bögen so zum Beispiel der Fund einer Kriegsspitze im hölzernen Dach eines Turms des Towers of London, dessen Eindringtiefe sich nur mit einem Bogen von mehr als 120 Pfund erklären lässt, doch scheint es heute eher als gesichert zu gelten das die Bögen des Mittelalters, von wenigen Ausnahmen besonders kräftiger Schützen abgesehen, um die 80 Pfund - also etwa 36 kg, Zuggewicht hatten, was ja immer noch sehr beachtlich ist.
Fest steht, das die Zuggewichte der alten Bögen deutlich höher waren als bei den heutigen, als Sportgerät genutzten Bögen, was zu einer sehr hohen Durchschlagskraft der Pfeile führte. Kettenrüstungen, Plattenrüstungen oder gar etliche Zentimeter dicke Eichenbohlen konnten entsprechenden Studien zufolge von Langbogenpfeilen durchaus durchschlagen werden. Die Pfeile erreichten dabei Geschwindigkeiten von ca. 220- 280 Km/h, dieser Wert erscheint auch aufgrund der gemessenen Pfeilgeschwindigkeiten heutiger Vollholzbögen durchaus plausibel.
Langbogenschützen galten seinerzeit als als gut ausgebildete und wichtigste Kriegstruppe. Angeblich taugte ein Langbogenschütze nichts, wenn er nicht ein Ziel in 200 m Entfernung traf, wobei ich selbst bei solchen Entfernungsangaben jedoch eher etwas skeptisch bin, besonders mit Hintergrund der Tatsache, dass heutige Leistungsschützen bereits auf 90 Metern ihre liebe Mühe haben.
Eine eigens zur Förderung des englischen Bogenheers erlassene, entsprechende Gesetzgebung und eine relativ gute Bezahlung des damaligen, englichen Königshauses trug dazu bei das niedere Schichten der Bürger und Bauern sich vermehrt dem Bogenschießen zuwandten und eifrig trainierten, unterstützend dazu wurde von der Kirche verlangt die Trainierenden von der Kirchgangspflicht (so etwas gab es seinerzeit tatsächlich) zu entbinden. Damit wurde das Kontingent der englischen Langbogenschützen im Vergleich zu anderen Ländern dieser Zeit sehr groß. Der Bogen wurde immer mehr zur Waffe des kleinen Mannes, die Engländer identifizierten sich mit ihrem Bogen auch zusehends mit nationalem Hintergrund, als Zeichen und Ausdruck der Stärke ihres Landes.
In unserer Zeit ist der Langbogen der historische und traditionelle Bogen schlechthin und erfreut sich immer noch großer Beliebtheit bei den Freunden des ursprünglichen Bogenschießen.
Auch heute noch wird der traditionelle Langbogen auf die gleiche Art & Weise angefertigt, wie von Anbeginn an, der echte traditionelle Holzbogen ist und bleibt ein Schnitzwerk aus einem einzigen Rohling (vorzugsweise Eibe und Esche) angefertigt. Miteinander verleimte Einzelelemente, Laminate oder die Verwendung zusätzlicher Werkstoffe aus Horn, Metall usw. wurden beim ursprünglichen Bogen erst sehr viel später eingesetzt. Das untere Video zeigt, dass der traditionelle Langbogen auch heute noch durch die gleichen Handarbeiten hergestellt wird:
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[...] begann diese Ära allerdings bereits um das Jahr 500 n. Chr., dazu vergleichen Sie bitte unter: http://www.passepatout.de/2009/08/23/langbogen/ Diesen Artikel habe ich am 23.August 2009 geschrieben, also lange bevor Ich Ihr Buch gelesen habe. [...]